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Friday, January 13, 2006

Boas und Nachfolger


Charakterisiere den Ansatz der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiterzuentwickeln?






Franz Boas wird als der Vater der amerikanischen Kultur- und Sozialanthropologie bezeichnet. Er und seine SchülerInnen beeinflussten maßgebend deren Entwicklung und entwarfen Konzepte und Ansichten, welche bis heute international geschätzt werden und den Verlauf der Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie entscheidend prägten.

Franz Boas wurde 1858 in Minen in Deutschland geboren und entstammt einer deutsch-jüdischen Familie. Er studierte Mathematik, Geographie und Physik in Heidelberg, Kiel und Bonn. 1882 zog er nach Berlin, wo er am Museum für Völkerkunde tätig war, und machte ein Jahr später erste Feldforschungen bei den Inuit in Kanada. 1886 emigrierte er, wegen des aufkommenden Antisemitismus in Deutschland und wegen seiner Faszination zu seinem Zielland, in die Vereinigten Staaten von Amerika. 1999 wurde er Professor an der Universität von Columbia.

Boas stellte Feldforschungen bei den Kwakiutl an der Nord- Westküste Nordamerikas an. Dabei erkannte er entscheidende Fehler in den Theorien Lewis Henry Morgans und des kultur- und sozialanthropologischen Evolutionismus.

In der evolutionistischen Theorie werden die einzelnen Kulturen in vorgegebene Entwicklungsstufen eingeteilt, wobei die eigene Kultur als die Höchste angesehen wird. Wildbeutergesellschaften sind demzufolge eine der niedersten Stufen in der Entwicklungsskala. Nach Meinung der Evolutionisten leben sie ein zähes Leben in „Wildheit“, ohne Luxus und stets im Kampf mit den Umständen.
Die Kwakiutl leben in einer Wildbeutergesellschaft, haben jedoch einen hohen soziale Lebensqualität. Sie wohnen in recht komfortablen Pfahlbauten, haben einen Überfluss an Nahrung, eine Art von Sklaverei und zeichnen sich durch einen hohen Grad an kunsthandwerklichen Können aus.[1]

Damit wendet sich Boas gegen den, im 19. Jahrhundert vorherrschenden Evolutionismus und schafft eine neue Sparte der Kultur und Sozialanthropologie.
Er entwickelt das Konzept des Kulturrelativismus. Dabei gebraucht er das Wort Kultur nicht, wie etwa Edward Burnett Tylor, als Synonym für Zivilisation, sondern im pluralen Sinn. Er besteht auf die Unterschiede und die Vielfalt von Kulturen und sieht Kultur als ein erlerntes menschliches Verhalten.[2]
Nach Boas ist jede Kultur, in erster Linie, aus sich selbst heraus beschreibbar und verständlich. „Bestimmte interkulturelle Verhaltensformen müssen immer im Licht des dazugehörigen Sozial-, Wertesystems und Kulturverständnis gesehen werden. Dementsprechend können kulturelle Phänomene nur in ihrem eigenen Kontext verstanden, beurteilt und betrachtet werden.“[3]
Jede Kultur sollte als funktionales Ganzes betrachtet werden, wobei jeder kleine Aspekt miteinbezogen werden soll.
Jede Kultur hat seine eigene Geschichte und ist daher einzigartig und darf keines Falls evolutionistisch eingestuft werden. Weiters hat jede Kultur die Selben Vorraussetzungen, sie wird jedoch von Kontexten und Umwelt geprägt.[4]
Somit wendet sich Boas gegen die vergleichende Methode und hebt die empirische hervor. Gleichzeitig wurde „aus einer antirassistischen Grundhaltung heraus die Einheit der Menschheit bei grundsätzlicher Gleichwertigkeit all ihrer Kulturen unterstrichen.“[5]

Weiters kritisierte Boas die Armchairethnologen und sprach sich für eine Intensivierung der Feldforschung aus.[6] Er war der Ansicht ein Kultur- und Sozialanthropologe müsse sich längere Zeit innerhalb der, zu erforschenden Kultur aufhalten, soziale Kontakte zu Informanten aufbauen und die lokale Sprache mit all ihren Redewendungen und typischen Eigenschaften, beherrschen. Sprache ist für ihn der Zugang zur Kultur und spiegelt die Mentalität der Gesellschaft wieder.[7]

Der Kulturrelativismus hatte einen erheblichen Einfluss auf die amerikanische Kultur- und Sozialanthropologie seiner Zeit und war die dominante Strömung bis zur Nachkriegszeit.
Boas SchülerInnen führten diesen Ansatz in mehreren Richtungen weiter.

Margaret Mead und Ruth Fulton Benedict waren Vertreterinnen eines harten Kulturrelativismus, welcher von der Annahme ausgeht, „dass jegliche Auffassung von sozialer Realität relativ sei und vom jeweiligen kulturellen Hintergrund der beobachtenden Person abhängt.“[8] Sie waren Teil der „culture and personality school“, welche sich mit dem Zusammenhang von Kultur und der Entwicklung einzelner Persönlichkeiten befassten. Weiters griffen sie erstmals Themen auf, welche die bisherige anthropologische Forschungswelt vernachlässigte, wie zum Beispiel „die weibliche Lebenswelt, Sexualität, Geschlechterbeziehung und Kindheitsprägungen.“[9] Somit ist die Kultur- und Sozialanthropologie eine der ersten wissenschaftlichen Richtungen, welche auch von weiblichen Personen erheblich geprägt wurde.
Heutzutage ist es eher die politische Rechte in den meisten Industriestaaten, welche noch einige Elemente des Konzeptes des harten Kulturrelativismus benützt, um zu argumentieren, denn, da fremde Kulturen sowieso nur von innen her zu verstehen sind, brauche man sich mit diesen nicht auseinanderzusetzen und solle sich lieber von ihnen fernhalten. Paradoxerweise waren Boas, Mead und Benedict jedoch deklarierte Liberale und verabscheuten Kolonialismus und Rassismus.[10]

Der weiche Kulturrelativismus akzeptiert kulturelle Differenzen, ohne diese zu verabsolutieren. Demnach kann Kultur im gewissen Maße und in manchen Aspekten auch von einem außen stehenden Betrachter erfasst werden und ist nicht absolut nur in sich selbst zu verstehen.
Diese Sparte des Kulturrelativismus ist bis heute eine der wichtigsten Elemente der amerikanischen, jedoch auch der europäischen Kultur- und Sozialanthropologie und beeinflusst diese maßgebend.

Boas selbst war kein herausragender Feldforscher. Der Hauptteil seiner Arbeit dreht sich um die Sprache, dabei trägt er jedoch maßgebend an der Weiterentwicklung der empirischen Feldforschung bei.

„Seiner Meinung nach beeinflusst das Denken die Sprache, da eine Kultur nicht durch die Form ihrer Sprache eingegrenzt werden kann. Dennoch sind alle Sprachen umfangreich und komplex genug, um der Vielfalt menschlichen Denkens gerecht zu werden. "Primitive" wie "moderne" Gesellschaften verfügen über dasselbe kognitive Potential.“[11]

Sein Schüler Edward Sapir und dessen Schüler Benjamin Lee Whorf führten diese These weiter und sahen den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken in einem anderen Licht. Ihnen zufolge, wird die Sprache vom Denken beeinflusst. Das Denken wird durch die Eigenheiten der Sprache, die der Mensch spricht, strukturiert und bis zu einem gewissen Grad sogar gesteuert. Somit werden Denkweisen einer Kultur von den verschiedenen Sprechweisen gebildet.
Denken und Wahrnehmung sind dadurch, dass sie von Sprache beeinflusst sind, relativ.[12]

Dies ist von heutiger Sicht aus zum Teil zu kritisieren, da zum Beispiel Kleinkinder erwiesenermaßen erkennen bevor sie Sprechen erlernen, also ist schon eine vorsprachliche Form des Denkens zu erwähnen. Weiters wird bei dieser Theorie der sprachliche Aspekt der Kultur überbetont und der Sprache an sich zu viel Bedeutung beigemessen.

Auch wenn bei Franz Boas kritisiert wird, dass er keine neuen Theorien aufgestellt hat, sondern nur alte kritisiert hat und, dass er durch seinen Kulturrelativismus keine sinnvollen Verallgemeinerungen zulässt, ist er, meiner persönlichen Meinung nach, eine der größten und herausragendsten Figuren der Kultur- und Sozialanthropologie. Er war der Begründer dieser wissenschaftlichen Disziplin in Amerika und verbreitete sie durch seine SchülerInnen im ganzen Land. Seine Theorien beeinflussten die Entwicklung der Kultur- und Sozialanthropologie in den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa, maßgebend.
Ich persönlich schätze Boas wegen seines antirassistischen Engagements und seines Kampfes gegen Vorurteile und Intoleranz.




Simon Stötter
Wien, 25. Jänner 2006



Quellen:

[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas
[2] Silverman, Sydel; 2005; One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology; Halle; University of Chicago Press; S. 262
[3]
http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturrelativismus
[4] http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~tkirrste/franz_boas.html
[5] Gingrich, Andre; 1999; Erkundungen; Wien; Böhlan; S. 179
[6]
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~tkirrste/franz_boas.html
[7] http://en.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas#Cultural_Anthropology
[8] Gingrich, Andre; 1999; Erkundungen; Wien; Böhlan; S. 182
[9] Gingrich, Andre; 1999; Erkundungen; Wien; Böhlan; S. 180
[10] Gingrich, Andre; 1999; Erkundungen; Wien; Böhlan; S. 180/181
[11]
http://santana.uni-muenster.de/Linguistik/user/steiner/semindex/sapir.html

Friday, November 25, 2005

Evolutionismus

Von welchen Prämissen geht der Evolutionismus aus und wie können die Grundannahmen und Forschungsergebnisse des Evolutionismus in der heutigen Sozial- und Kulturanthropologie integriert und bewertet werden? Diskutiere die theoretische Basis dieser anthropologischen Strömung im Zusammenhang mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen bzw. mit politischen und wirtschaftlichen Kategorien der Gegenwart.






Der Evolutionismus, als eine grundlegende Strömung der Entwicklung der Kultur- und Sozialanthropologie, ist in heutiger Zeit differenziert zu betrachten. Seine Erkenntnisse sind schon seit langen veraltet, seine Bedeutung und Terminologie jedoch, auch heute noch höchst aktuell.

Grundlegend geht der Evolutionismus von Prämissen aus, welche sich stark an biologische und philosophische Annahme der Weltansicht anlehnt.
Einerseits wurde er beeinflusst durch Gesellschaftstheoretiker, wie Jean Jacques Rousseau und Thomas Hobbes, aber auch von Karl Marx und Friedrich Engels.
Von primärer Bedeutung, war jedoch der Biologe und Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin.

Er entwickelte die biologische Theorie, dass Evolution allein durch die Weitergabe genetischer Eigenschaften geschieht. Durch Kreuzungen und Mutationen entwickelt die Natur eine größere Vielfalt von Eigenschaften, wobei die erfolgreichsten und effektiveren überleben.
Darwin beschrieb den Mechanismus der Evolution als „sexuelle Selektion“. Seit nur jene Lebewesen, welche es zur Fortpflanzung geschafft haben, überleben, werden die Gene der anderen Rivalen nicht weitergegeben. Somit selektiert die Natur Kreaturen, welche nicht die erforderten Fähigkeiten des Überlebens besitzen, aus.
Für Darwin gilt also, dass der Stärkere überlebt und den Platz des Schwächeren einnimmt. [1]

Der Evolutionismus in der Kultur- und Sozialanthropologie ist dieser biologischen Theorie nahe verwandt, auch wenn evolutionistisches Denken in der Anthropologie vor Darwins Hauptwerk begonnen hat. [2]

Der Evolutionismus geht davon aus, dass sich die menschliche Entwicklung über mehrere Stufen von einer „primitiven, niederen“ Gesellschaftsform bis hin zu einer „höher entwickelten, kultivierter“ Gesellschaft transformiert, wobei wiederum die stärkeren und überlebensfähigeren kulturellen Eigenschaften erhalten bleiben. Dabei wird die eigene Kultur als die höchste Stufe der Evolution und als der Innbegriff von Zivilisation angesehen.
Die indigenen Völker sind demnach noch in voller Entwicklung auf einer Stufe, welche unsere europäische Kultur bereits vor langer Zeit durchlebt hat und es kommt nur auf die Schnelligkeit des kulturellen Fortschritts des Volkes an, wie bald sie unser Level an Zivilisation erreichen.
Eine derartige Ansicht behandelt also indigene Gesellschaften abwertend und minderwertig, der eigenen Kultur gegenüber und vermittelt eine höchst ethnozentristische und egoistische Haltung ihrer Vertreter.
Keine Kultur entwickelt sich in selber Art und Weise und sicher nicht jede Kultur sieht die Entwicklung unserer westlichen Gesellschaft, als ein hoher Stand der Menschheit an, da diese beispielsweise den größten Anteil an der bisherigen Zerstörung der Erde geleistet hat.

Lewis Henry Morgan vertrat ein Konzept, welches die menschliche Evolution in drei generelle Stufen aufteilt: Wildheit, Barbarei und Zivilisation.
Da diese morganschen Begriff im heutigen Verständnis der Kultur- und Sozialanthropologie veraltet und nicht mehr anwendbar sind, könnte man es in einer weniger diskriminierenden Form so sagen, dass sich die Menschheit von einer Jäger- und Sammlerkultur über Bodenbauern und Viehzüchtern bis hin zur staatlich organisierten Agrargesellschaft entwickelt hat.
Grundlegend ist zu diesem Konzept zu sagen, dass es auf unsere heutige, lokale Gesellschaft durchaus zutrifft, wenn man die Archäologie und Geschichte der europäischen Zivilisation betrachtet. Wenn man jedoch den Rest der Weltbevölkerung, der ja bekanntlich nicht klein ist, mit einbezieht, zeugt es von vorrangigen Selbstlob und wenig Verständnis der Einstellungen und Lebensansichten der einzelnen ethnischen Gruppen.

Evolutionistische Anthropologen berufen sich stets auf die Vergangenheit des zu erforschenden Volkes. Ihrer Ansicht nach, versteht man ein Volk durch das Verständnis seiner Geschichte.
Diese Einsicht wurde jedoch bald durch den Funktionalismus eines Bronislaw Malinowski und eines Alfred Reginald Radcliffe-Brown verworfen, da diese der Ansicht waren, dass eine Vergangenheit, welche für die aktuelle Existenz eines Volkes keine Relevanz mehr hat, keineswegs zum Verständnis der Gesellschaft beiträgt. Man sollte demnach den gegenwärtigen Funktionen weitaus mehr Bedeutung eingeräumen.
Natürlich kann die Geschichte eines Volkes in weitergehenden Studien als unterstützendes Forschungsmittel zu Rate gezogen werden, sie sollte aber nicht den zentralen Gegenstand der Forschung bilden.

Ein weiterer, für den Evolutionismus wichtiger Vertreter, war Edward Burnett Tylor. Er prägte zum Beispiel den Begriff der „survivals“. Diese sind kulturelle Merkmale, welche in der Vergangenheit einen bestimmten Grund und Brauchbarkeit hatten und sich über die Zeit hin erhalten haben; Überbleibsel einer vergangenen Zeit, welche oft auch an Bedeutung verloren haben, durch ihre Aktualität jedoch, auf eine bestimmte Wichtigkeit in der Vergangenheit schließen lassen. [3]
Dieser Begriff ist ein wichtiges Beispiel dafür, welche grundlegenden Fundamente der Evolutionismus in der Kultur und Sozialanthropologie gelegt hat. Es ist ein Wort, dem noch heute eine wichtige Bedeutung in unserer Studienrichtung eingeräumt wird.

Tyler und sein zur gleichen Zeit lebende Kollege Sir James George Frazer legten großen Wert auf die Erforschung die religiösen Ansichten außereuropäischer Völker. Dabei verwendeten sie weitere neue Termini, welche in der heutigen Kultur- und Sozialanthropologie noch in reger Verwendung sind, auch wenn die dazugehörigen Theorien in heutiger Zeit nicht mehr von Relevanz sind.
Sie waren der Ansicht, dass sich Religion aus einer primitiven Form der Welterklärung, dem Animismus, über einen etwas komplexeren Totemismus zu Politheismus bis hin zum Monotheismus wendet.
Dieser religiöse Evolutionismus wurde bald darauf stark umstritten und kritisiert, da diese Ansicht wiederum ein lobendes und überbewertendes Bild der lokalen christlichen Religion gibt und die meisten anderen Auffassungen von Welterklärungen als minderwertig und unterentwickelt verwirft. In der heutigen Zeit gilt diese Ansicht als veraltet und widerlegt, auch schon, weil die verschiedenen Sparten grenzenlos ineinander laufen.

Ein weiterer und nicht zu unterschätzender Kritikpunkt ist, dass die Anthropologen der damaligen Zeit vorwiegend „armchair-Anthropologen“ waren, das heißt, dass sich die meisten nie direkt mit den zu erforschenden Völkern befasst haben, sondern sich auf die Reiseberichte von Abenteurern, Kolonialisten und Missionaren berufen haben und aus weitester Entfernung und etischer Ansicht „wissend“ über gewisse Völker geschrieben haben. Somit war der Forschungsgegenstand aus zweiter Hand und meist nicht von einem erfahrenen und in der Anthropologie bewanderten Menschen.
Aus diesen spärlichen Informationen entwickelten die Evolutionisten Theorien und meinten die Lebensart und Lebenseinstellung ferner Völker verstanden zu haben, wobei sie sich immer auf eine vergleichende Forschungsmethode verließen die keine empirischen Kenntnisse beinhalteten.

Also kann man sagen, dass der Evolutionismus eine von Grund auf veraltete Einstellung der Kultur- und Sozialanthropologie darstellt. Er ist ethno-zentristisch, sieht seine eigene Kultur als die höchste Stufe an und stellt damit eine Verwandtschaft zu Nationalismus und kulturbedingten Rassismus dar. Andere Völker werden diskriminiert und unterbewertet, als „primitive Wilde“ bezeichnet und ihrer kulturellen Würde beraubt. Demnach ist den Ansichten dieser Strömung kaum Respekt abzuverlangen.
Andererseits haben die Evolutionisten jedoch zur allgemeinen Anerkennung der Wissenschaftsrichtung der Kultur- und Sozialanthropologie beigetragen. Durch ihr starkes Engagement in diesen Bereich, wurde aus einer, anfangs kleinen und hobbymäßig betriebenen Wissenschaft, eine der interessantesten und wichtigsten Sozialwissenschaften.
Auch haben die anthropologischen Forscher dieser Zeit eine Reihe an Begriffen begründet, welche auch in der heutigen Zeit von Relevanz und zum Teil zentrale Begriffe des Studiums der Kultur- und Sozialanthropologie sind.

Meiner persönlichen Meinung nach argumentieren die Anthropologen des Evolutionismus zu einfältig und naiv. Sie übertragen eine biologische Theorie in ein soziales Konzept und sehen zu wenig Differenz darin.
Anthropologen, welche sich heute noch auf derartige Konzepte beruft, würde ich als ignorant bezeichnen, da sie die Augen vor den neuen Ergebnissen der Kultur- und Sozialanthropologie verschließen.
Außerdem, wenn unsere ignorante, alles zerstörende, zutiefst depressive und kranke Kultur die höchste Stufe der menschlichen Entwicklung darstellen soll, tut mir die Menschheit Leid. Ich glaube nicht, dass wir vorwiegend den maßgebend richtigen Entwicklungsweg durchlebt haben und wie es den Anschein hat, sind wir auch bald am Ende angelangt.


Simon Stötter
Matr. Nr.: 0509470
Wien; 24. 11. 2005




Quellen:

[1] Barnard, Alan; 2000; History and Theory in Anthropology; University of Edinburgh; Cambridge University Press; S. 29
[2] Barnard, Alan; 2000; History and Theory in Anthropology; University of Edinburgh; Cambridge University Press; S. 29
[3] Barth, Frederik; 2005; One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology; Halle; University of Chicago Press; S. 8

Monday, October 24, 2005

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